Wir rufen alle Bildungsstreikbündnisse und Unterstützer_innen dazu auf, die Bildungsproteste in diesem Jahr mit neuen Aktionen auszuweiten.
Im vergangenen Sommer demonstrierten in über 100 Städten 270.000 Menschen, v.a. Schüler_innen, Studierende, Auszubildende, Erwerbstätige, Erwerbslose und Gewerkschafter_innen, gemeinsam gegen die unzumutbaren Zustände im Bildungssystem. Nicht nur in Europa, sondern auch auf allen anderen Kontinenten der Welt gab es Bildungsproteste. Schließlich wurden allein in Deutschland im Herbst über 80 Bildungseinrichtungen besetzt, an einem dezentralen Aktionstag waren über 85.000 Menschen auf der Straße.
Trotz großer Aufmerksamkeit und kleiner Zugeständnisse hat sich nichts geändert – unsere zentralen Forderungen und Ziele wurden nicht erreicht. Im Gegenteil: Das Bildungssystem wird genau wie andere gesellschaftliche Bereiche weiter nach wettbewerbsorientierten Kriterien ausgerichtet und immer stärker ökonomisiert. Dagegen werden wir im Jahr 2010 Bildungsproteste organisieren, in denen vielfältige Aktionsformen (Demonstrationen, Blockaden, Besetzungen etc.) ihren Platz finden.
Wir suchen die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen. Gerade in Zeiten der anhaltenden Wirtschaftskrise geht es uns darum, die Auseinandersetzungen im Bildungsbereich als gesamtgesellschaftlichen Konflikt zu verstehen und zuzuspitzen – denn unsere Kritik am Bildungsystem ist zugleich Gesellschaftskritik.
Um die globale Perspektive zu stärken und eigene Alternativen zum vorherrschenden Bildungssystem zu konkretisieren, rufen wir dazu auf, sich an den internationalen Protesten gegen den Bolognagipfel vom 11.-14. März in Wien zu beteiligen. Bis zum Sommer werden wir uns mit Aktionen im Rahmen des Bildungsstreiks in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Debatten einbringen.
Im Juni rufen wir zu einer gemeinsamen Aktionszeit und für den 9. Juni bundesweit zu dezentralen Demonstrationen auf.
Wir hoffen darüber hinaus auf gemeinsame koordinierte Aktionen weltweit. Mit immer mehr aktiven Menschen werden wir den Druck erhöhen, um im Bildungssystem etwas zu verändern.
Ein grundlegendes Ziel des Bildungsstreiks ist es, eine Diskussion über Sinn und Zweck des Bildungssystems in der Gesellschaft anzuregen. Möglichkeiten einer emanzipatorischen Bildungs- und Gesellschaftspolitk sollen aufgezeigt und durchgesetzt werden: Bildungseinrichtungen sollten vorrangig Menschen dazu befähigen, die sie umgebenden Strukturen zu verstehen, zu kritisieren und zu verändern.
Dem momentanen Zustand im Bildungsbereich setzen wir unsere Alternativen entgegen:
- selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck,
- freier Bildungszugang für alle Menschen, Lehrmittelfreiheit und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren,
- öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe
- und radikale Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen.
Ein ganz anderes Lernen und Leben ist möglich – und nötiger denn je!
Dieser Text entstand auf dem bundesweiten Bildungsstreik-Vernetzungstreffen in Bielefeld am 07.02.2010.
________________________________________________________________________
Deutschlands Unis brennen…(Artikel vom 19.11.2009)
Ob der prekären Situation an deutschen Unis und Schulen verblasst sogar der Hype der Schweinegrippe. Denn in
den Medien tummeln sich seit einiger Zeit die Nachrichten über protestierende Schüler und Studenten, besetzten Unis und stagnierenden Polizisten, die gegen die Masse an unzufriedenen Demonstranten machtlos scheinen.
So ist die Uni in Wien schon seit dem 22.10.2009 von den Studierenden besetzt.
Von Österreich aus kam dann die Idee von „Unibrennt“ auch zu uns, und weniger als einen Monat später sind in Deutschland schon knappe 25 Unis betroffen, unter anderem München, Nürnberg und Regensburg, um 3 große bayrische Hochschulen zu nennen. Es werden Vorträge gehalten, es finden Plenumsdiskussionen statt, es wird gestreikt, gebrüllt, gepfiffen und geklatscht. Und wie es sich für richtige Schüler und Studenten gehört, wird natürlich auch gefeiert, getanzt, getrunken, musiziert und komponiert, es werden neue Ideen entwickelt und alte Ideen umgesetzt. Und diesen ganzen Spaß haben sie sich auch verdient, denn wer so erfolgreich, bei so kurzer Anlaufzeit, so viele Menschen bewegt und auf die Straße bringt, dem darf man eine ordentliche Feier nicht verwehren!
Dienstag erst, am 17.11.2009, ging wieder ein Raunen in Form einer Spontandemo durch Regensburg.
Die Organisatoren rund um den RAZ, den Regensburger Aktionszirkel, haben im Audimax-Forum eine Kundgebung angekündigt, in der verschiedene Redner ihre Sicht zum desaströsen Zustand der deutschen Bildung im Allgemeinen, und den schlechten Bedingungen an überfüllten und veralteten Unis im speziellen, geäußert haben. „Und dafür zahlen wir pro Semester völlig überhöhte Studiengebühren?! Nein, das lassen wir uns nicht mehr gefallen! Bildung für alle, und zwar umsonst!“, das waren häufig genannte Schlagworte.
Redner waren unter anderem Vertreter aus der Asta, dem Elternbeirat und aus den Gewerkschaften. Und allesamt sind sich einig: So geht’s nicht weiter.
Und anstatt nach dem letztenWortbeitrag die Sache in einem durchaus positiven Licht zu beenden, forderte einer der Organisatoren die versammelte Studentenschaft von ca. 400 Leuten zu einer Spontandemo durch Regensburg zum Kornmarkt auf, wo zufällig das Fernsehteam vom BR gerade ihre Live-Sendung „Südwild“ drehen wollte.
Und siehe da, alle sind dem Ruf gefolgt, sogar Passanten und andere Schaulustige konnten für die gute Sache gewonnen werden und reihten sich lauthals in den Demozug mit ein, sodass die Sitzblockade der Kreuzung Galgenbergbrücke ein voller Hingucker wurde. In der Maximilianstraße angekommen zählte die Demonstration dann ca. 500-600 Menschen, was auch der beeindruckende Höchststand sein sollte. Ganz schön eindrucksvoll war dieses Bild der Spontandemo, wie sie auf dem Kornmarkt aufschlug und sich vor die Kameras drängte.
Wer nun gespannt auf die Liveshow vom BR ist, der sollte sich auf http://www.br-online.de/bayrisches-fernsehen/suedwild/ die Aufzeichnung ansehen, die Zeit ist definitiv nicht vergeudet.
Nach der Sendung ging es für den Großteil der Demo-Teilnehmer zum feiern in die Bars und Kneipen Regensburgs, doch eins ist angesichts der wiederum gelungenen Uni-Vollversammlung von heute Nachmittag klar:
Die Organisatoren haben sich nicht, wie sie es verdient hätten, auf ihren Lorbeeren ausgeruht, sie gingen vermutlich zurück an die Uni und haben die Versammlung vorbereitet, in der heute Nachmittag um 16.30 Uhr die Vollbesetztung der Uni Regensburg beschlossen wurde. Seitdem kann Regensburg auch mit Stolz behaupten:

